artiste

Choisissez un artiste dans la liste

GAC Jean LE

Né en 1936/05/06 - Alès France • Vit et travaille à Paris depuis 1967


Wir kennen Bertrand Laviers Vorliebe für das Spiel mit der Sprache. Begriffe aus der Malerei und der Bildhauerei, die Bezeichnungen Readymade und „Bild“, „Darstellung“ und „Monochrom“ werden durch sein Werk in Frage gestellt. Zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir benennen d. h. definieren müssen, entstehen Brüche, die der Künstler aufdeckt. Bekannt sind vor allem zwei große Ensembles von Lavier: das erste, das wir generell dem Bereich der Malerei zuordnen, besteht aus allen möglichen Objekten, die durch breite Pinselstriche „à la Van Gogh“ und durch das Auftragen einer pastosen Farbmaterie mimetisch reproduziert werden; das zweite gehört in den Bereich der Bildhauerei und beinhaltet übereinandergelagerte Paare von Objekten, wobei eines als Sockel für das andere dient. Der gemeinsame Nenner dieser Arbeiten ist die Verwirrung, die sie stiften, denn sie nutzen die Durchlässigkeit der Grenzen, die angeblich die Kunstkategorien voneinander trennen. Indem Lavier das Readymade in Richtung Skulptur verschiebt und dem Gemälde den Status eines chromatischen Readymade zuschreibt, verringert er die Gegensätze zwischen Tun und Nicht-Tun, zwischen Objekt und Gemälde. Vor allem aber zeigt er auf seine eigene Art, dass ein Mangel an Phantasie dem Erfindungsreichtum nicht entgegensteht. „Aus einer Sache lässt sich wieder eine andere schaffen“, behauptet der Künstler. Das ist wahr.

Die beiden Werke, die der Frac erworben hat, Walt Disney production 1947-1997 und Walt Disney production, sind als zwei komplementäre Versionen eines derartigen Projekts zu betrachten. Diese „Produktionen“ stammen geradewegs aus Mickey au musée d’art moderne (Mickey im Museum der Modernen Kunst), einem der Abenteuer, die Walt Disney für seinen Helden erfunden hatte. Mickey ist der Durchschnittsamerikaner, ein Charakter aus einer Wunschwelt ohne Meinungsverschiedenheiten und kann als solcher nur ein Museum besichtigen, das die Vision einer stereotypen modernen Kunst widerspiegelt. Lavier löst das „Bild“ oder die „Skulptur“ aus ihrem Kontext, indem er sie dem Comic Strip entnimmt und vergrößert. Da diese Modelle nur auf dem Papier existieren, muss der Künstler den Maßstab finden, der ihm am geeignetsten erscheint. Die Abmessungen von Walt Disney production – einer Fotoprojektion auf Leinwand – und von Walt Disney production 1947-1997 – einem Volumen aus bemaltem Harz – entsprechen potenziell den Abmessungen von abstrakten Werken aus den 1940er Jahren. Das Verfahren der mechanischen Verdoppelung eines bereits vorhandenen Bildes macht aus der erstgenannten Arbeit ein Werk, in dem sich Malerei, Fotografie und Readymade teilweise überlappen. Was die Skulptur betrifft, so musste Lavier ein Material wählen, das geeignet sein würde, einem Bild dreidimensionale Existenz zu verleihen. Das polierte Äußere des Volumens erinnert an ein mit einem Design-Objekt gekreuztes Werk von Arp. Bertrand Lavier befreit sich auf seine eigene Art aus dem Dilemma, in dem sich viele Künstler der sogenannten Postmoderne befinden: Wie soll man innovativ sein, wenn man akzeptiert, dass Originalität, wenn auch nicht unmöglich, so doch nicht wirklich ein Garant für Qualität ist und mittlerweile für die Wertschätzung eines Kunstwerks kein stichhaltiges Kriterium mehr darstellt? Als Werke zweier Autoren, deren Form jedoch keiner von beiden gedanklich konzipiert oder realisiert hat, schweben die Walt Disney productions zwischen Fiktion und Realität. „Dies ist kein abstraktes Gemälde [keine abstrakte Skulptur]“ hätte die Walt Disney productions-Serie heißen können. Soll man sie als Parodien ungegenständlicher Werke verstehen oder im Gegenteil als die Umwandlung von Parodien in vollwertige Kunstwerke? Ihre durch den distanzierten Humor von Lavier verstärkte uneigentliche Bedeutung schließt die Hinterfragung ihres ambivalenten Wesens nicht aus. Die Walt Disney productions lassen sich einordnen in Kunsthandwerk und schöne Kunst, in Gemälde – im Sinne des Erscheinungsbildes – und konkretes plastisches Phänomen, in visuelles Klischee und formale Erfindung, in Vergangenheit und Gegenwart, und ihre Bedeutung schöpfen sie gerade aus der Unbestimmtheit ihres Status. Die Sprache versagt, wenn es darum geht, sie mit einem einzigen Wort zu definieren. Letztendlich sind dies wirklich „Sachen“, die „aus etwas anderem“ gemacht sind.

Natacha Pugnet, September 2008

Oeuvres de l'artiste dans la collection
du frac franche-comte

Imprimer