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Daan van GOLDEN

Né en 1936/02/04 - Rotterdam Pays-Bas • Vit et travaille à Schiedam (Pays-Bas)


Raymond Pettibon ist 1957 geboren, er lebt und arbeitet in Kalifornien in der Nähe von Los Angeles. Er wurde zunächst bekannt durch seine Illustrationen für die lokale Punkszene (der grafische Entwurf des SST-Labels stammt von ihm), aber in den 1990er Jahren wurden seine Zeichnungen schließlich aufgrund der künstlerischen Qualität anerkannt. Er ist sehr produktiv und hat mehrere Tausend Zeichnungen, größtenteils in Tusche, angefertigt: allesamt fragmentarische Erzählmomente.

Die Serie der fünf Zeichnungen, die der Frac erworben hat (If I had, 2000; I Find Little, 1999; Although Some Living, 1998; Go Ahead… Ask, 1999; She Sees People, 1994), ist sehr repräsentativ für sein gesamtes Werk: Die Figuren und Ereignisse, die sie beschreiben, sind stets suggestiv und stehen für sich alleine, d. h. ihre Aneinanderreihung ergibt keine präzise „Geschichte“. Zwischen Text und Bild herrscht bisweilen eine große Diskrepanz und oft stiftet der Text eher Verwirrung als dass er den Sinn der Zeichnung erhellt. Bestimmte Thematiken und Figuren dominieren allerdings generell sein Werk. Sie sind sowohl der amerikanischen Populär-Kultur entnommen als auch von der klassischen Literatur inspiriert: Film noir, romantische Literatur (Ruskin, Poe etc.), Trivialliteratur, Rock-Mythos, biblische Erzählungen, Bilder aus der Fernsehwelt, dunkle Ereignisse der neueren amerikanischen Geschichte. Bei dieser Serie sind es die Freiheitsstatue, ein Selbstporträt, ein Zug, der das Thema der Eroberung des amerikanischen Territoriums behandelt, das Bild eines der Gründerväter der Nation (vermischt mit besorgniserregenden Äußerungen und Anspielungen auf die neuere Geschichte) usw. Das hier wie ein unvollständiges Mosaik rekonstruierte Universum erinnert uns möglicherweise an das von Henry Miller beschriebene Kalifornien, an einen „klimatisierten Alptraum“. Ausgehend von historischen und kulturellen Symbolen steigt aus diesem Werk ein Amerika-Bild auf, das die andere Seite des amerikanischen Traumes zeigt: eine gequälte, lyrische Welt.

Die fundamentale Verve seiner Arbeit besteht in der poetischen Nebeneinanderstellung von Wort und Bild. Pettibon ist ein großer Literatur-Liebhaber, und so isoliert er einen oder mehrere Sätze oder auch nur ein Wort aus dem Gelesenen und fügt dies in seine Zeichnungen ein. Nicht so sehr als Kommentar denn als eigenständiges grafisches Element. Seine Zeichnung „ohne Eigenschaften“, die jeder Virtuosität entbehrt – auch wenn seine neueren Kreationen weniger grob in der Strichführung sind als seine Zeichnungen zu Beginn der 1990er Jahre –, entlehnt ihre Formen dem Comicstrip und vor allem der Illustration, das heißt einem trivialen, unpersönlichen und universellen Stil, einem Genre, in dem er vor allem Plakate und Plattencover entwarf. Seine Inspirationsquellen – formelle und intellektuelle – sind das Werk von William Blake, Otto Dix, Goya und auch Daumier. Man weiß, dass Pettibon eine ausgeprägte Leidenschaft für die Romane von James Joyce hegt und könnte daher sagen, dass seine Zeichnungen zusammengenommen eine Art grafischen Stream of Consciousness bilden, der dem Comicstrip und den verwendeten Texten durch optische Ellipsen ihre narrative Kontinuität entzieht.

Vincent Pécoil

Oeuvres de l'artiste dans la collection
du frac franche-comte

Heerenlux, 2003


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