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Sigurdur Arni SIGURDSSON

Né en 1963/03/14 - Akureyri Islande • Vit et travaille à Reykjavik (Islande) et à Paris


Seit etwa zwanzig Jahren gestaltet Eric Poitevin Ensembles (es handelt sich eher um Ensembles als um Serien), bei deren Anzahl und Variationen er sich Beschränkungen auferlegt. So hat er Kriegsveteranen aus dem Ersten Weltkrieg fotografiert, Einwohner von Arbois, bei der Jagd erlegte Rehe, Landschaften, Schachteln mit aufgespießten Schmetterlingen, halbe Pferde im Profil (Hinterteil), Kühe, Knochen, Porträts, Akte etc. Die Abmessungen variieren, es handelt sich aber meistens um Großformate. Eric Poitevin behauptet, dass er vor allem Fotograf und dann erst Künstler sei. Das bedeutet, dass die von ihm produzierten Bilder eher vom Fotografischen als vom Ästhetischen abhängen (das heißt von einer speziellen und vom Medium diktierten Sichtweise). Gewiss, man wird hier mit einer sehr fotografischen und unmittelbar dem Leben entnommenen Form der Realität konfrontiert. Doch räumt Poitevin gleichzeitig auch ein, durch seine Bilder einen manchmal konfliktbeladenen Dialog mit den anderen Fotografen zu eröffnen, sei es mit den frühen wie Cuvelier, Le Secq oder mit den zeitgenössischen wie Becher, Cindy Sherman oder Andreas Gursky. So gesehen ist Eric Poitevin wohl als ein Postmoderner zu bezeichnen, der die Lektion des Modernismus gelernt hat: Er zieht die historische Entwicklung in Betracht, wenn er die visuellen Objekte konstruiert, die allein sein Medium produzieren kann.

Das Ensemble Sans titre (Ohne Titel) von 1993 zeigt von Jägern erlegte Rehe. Sie sind beringt und man sieht ihre Verletzungen. Das Format (147 x 120 cm) macht die Aufnahme zum Gemälde. Dies umso mehr, als der dunkle Hintergrund das Sujet aus seinem Kontext löst – auch wenn es sich dabei um den Waldboden handelt – und das Bild seltsamerweise in das Gebiet der Malerei (Courbet) verweist, während es doch gleichzeitig übersteigerte fotografische Vergrößerungen zeigt, die ganz wirklichkeitsgetreu wirken. Es ist genau diese Spannung, auf der diese Werke beruhen.

Die Waldlandschaft aus dem Jahre 2000 ist als Diptychon konzipiert. Wir haben hier ein und dieselbe Ansicht vor Augen, doch erscheint die eine in Farbe und die andere in Schwarz-Weiß: In naher Kameraeinstellung wird ein unentwirrbares Geflecht von umgestürzten Bäumen (vielleicht nach einem Sturm) gezeigt, im Hintergrund dagegen sind mehrere aufrecht stehende Laubbäume zu sehen. Auf dieser unverfälscht dargebotenen Bildfläche, die nur die Fotografie so präzise wiedergeben kann, sind der Ablauf der Zeit und der Tod die beherrschenden Gedanken (wie bei den Rehen, Knochen, nackten und gealterten Körpern). Fast könnte man von einer melancholisch gefärbten Antwort auf die enthusiastische Präzision der Pioniere des 19. Jahrhunderts sprechen.

Die dritte Arbeit aus der Sammlung stammt ebenfalls aus dem Jahre 2000 und weist sehr große Abmessungen auf (172 x 216 cm). Dargestellt ist eine riesige uralte Eiche aus der Froschperspektive, die sich in den weißen Himmel der Vendée reckt und deren fehlendes Laub entweder auf den Winter oder den bereits eingetretenen Tod des Baums hindeutet. Oder ist es beides? Wie immer wurde das Foto mit der Kamera aufgenommen, aber diesmal mit einer Spezialvorrichtung, denn Poitevin brachte einen großen Spiegel am Boden an, um das reflektierte Bild freier fotografieren zu können. Was eine einfache Naturstudie hätte sein können, wird hier durch das Kippen der Ebenen zu einem Wirbel von Sinneseindrücken und Träumereien. Mehr noch: durch die in den unerbittlich weißen Himmel greifenden Wurzeln entsteht ein visuelles Paradoxon.

Jean-Marc Huitorel

Oeuvres de l'artiste dans la collection
du frac franche-comte

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